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Bienensterben - Symbol eines unnachhaltigen Agrarsystems

Seit 2006 haben Europäer und Nordamerikaner mit einem massiven Problem zu kämpfen: einem dramatischen Bienensterben. Albert Einstein soll einst gesagt haben: "Erst stirbt die Biene, vier Jahre später der Mensch". Steuern wir also auf unseren Untergang zu? Auch wenn solch apokalyptische Phantasien wohl nicht ganz der Realität entsprechen, darf die Rolle, die Bienen in unserem Ökosystem einnehmen, nicht unterschätzt werden, sind sie als Bestäuber doch immerhin an der Produktion eines Drittels unserer Nahrungsmittel beteiligt. Diese bewundernswerten Insekten sind also auch aus wirtschaftlicher Sicht von entscheidender Bedeutung, ihr Schutz sollte uns deshalb umso mehr am Herzen liegen. Doch wer ist schuld am Bienensterben? Kann man den sogenannten "Völkerkollaps" tatsächlich an einer einzigen Ursache festmachen?

Die moderne Bienenhaltung - von Ursprünglichkeit keine Spur

So einfach kann diese Frage nicht beantwortet werden. Sicher ist jedoch eines: Die Industrialisierung der Landwirtschaft macht auch vor der Imkerbranche nicht Halt. Mittlerweile werden Bienenstöcke tausende von Kilometern transportiert, um in unterschiedlichen Gebieten und Klimazonen je nach Blütezeit verschiedene Pflanzen zu bestäuben. Markus Imhoof führt in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm "More than honey" ein Beispiel für einen solchen Weg an. Die Bienen beginnen ihre Reise im "Golden State" Kalifornien zur Mandelblüte im Februar, von dort geht es weiter in den Bundesstaat Washington zur Apfel- und Kirschblüte und nach North Dakota, bevor die Insekten zum Überwintern wieder in den Westen transportiert werden. Für die Tiere bedeutet diese Reise vor allem eines: Stress. Des Weiteren sind sie während dieser Zeit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen und daher auch verschiedenen Bakterien und Parasiten ausgesetzt. Die Krankheitserreger begleiten die Bienen und können sich so rasch ausbreiten. Sie sammeln sich zum Teil in den Waben, werden also an die kommende Generation "weitervererbt". Auch in der Massentierhaltung wird die Ausbreitung von Seuchen durch die Haltung vieler Tiere auf engem Raum (auch oder insbesondere während des Transports) gefördert. Beispiele für Parasiten, die Erkrankungen oder den Tod bei Honigbienen hervorrufen können sind der Darmparasit Nosema, die Wachsmotte oder die Varroamilbe mit dem bezeichnenden lateinischen Namen Varroa destructor.

Die Lösung: mehr Chemie?

In den USA werden Bienen Antibiotika verabreicht, um sie vor Parasiten zu schützen. Wenn der Mensch in die Natur eingreift, birgt dies immer auch ein gewisses Risiko. So haben David Hawthorne und Galen Dively von der University of Maryland herausgefunden, dass Antibiotika die Anfälligkeit der Bienen für verschiedene Pestizide erhöhen. Auch wenn der Einsatz von Antibiotika in der Bienenzucht in Europa verboten ist, Maßnahmen gegen das massive Bienensterben werden auch innerhalb der EU diskutiert. So beschloss die EU-Kommission im April 2013, den Einsatz einiger Neonicotinoide ab Dezember für die kommenden zwei Jahre zu verbieten. Der österreichische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) sprach sich anfangs gegen ein solches Verbot aus, widerrief seine Entscheidung allerdings schon wenige Tage später aufgrund öffentlichen Drucks.

Bleibt der Einsatz von Antibiotika in der Bienenzucht in der EU verboten? Das geplante Freihandelsabkommen mit den USA könnte dies ändern. Da die Idee hinter diesem Abkommen auch auf einer Angleichung von europäischen und US-amerikanischen Standards basiert, besteht die Gefahr, dass in diesen und weiteren Bereichen der Landwirtschaft und des Umweltschutzes Anpassungen vorgenommen werden könnten. Da das Abkommen im Geheimen ausverhandelt wird und für die BürgerInnen keine Möglichkeit besteht, sich über den Stand der Gespräche zu informieren, kann über die tatsächlichen Ziele und Wünsche der Verhandlungspartner nur gemutmaßt werden, Skepsis ist also durchaus angebracht. Über die Positionen der im österreichischen Nationalrat und deutschen Bundestag vertretenen Fraktionen zu TTIP können Sie sich hier schlau machen.

Seite zuletzt bearbeitet am: 04.05.2014 13:16:42


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