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[Was Sie tun können] | [Kritik am MSC-Siegel] | [Beifang & Fangmethoden] | [Beispiel: Thunfisch] | [Piratenfischerei] | [Folgen für das Ökosystem] | [Garnelenzucht] | [Lachszucht][Nilbarsch-Fischerei am Viktoriasee] | [Fazit]

Fischerei

Die Überfischung ist ein bekanntes Problem. Dabei wäre es so einfach etwas gegen die massive Industriefischerei zu unternehmen - auch wenn man kein Vegetarier ist. Ich habe jetzt ein paar Punkte aufgelistet, die man beim Fischkauf beachten sollte:

  • Achten Sie auf das MSC-Siegel (Marine Steward Council)! Dieses Siegel steht für nachhaltige Fischerei. 1
  • Ein Kauf von mehreren verschiedenen Fischsorten verringert den Druck auf eine bestimmte!
  • Nicht um jeden Fisch ist es gleich schlecht bestellt. Dazu hat der WWF einen kleinen Führer kostenlos zum Download freigegeben. Einen ausführlichen Fisch-Guide hat Greenpeace publiziert. Darin finden SIe auch Informationen zu Hintergründen, Bestand sowie Fangmethoden und deren Auswirkungen auf die Umwelt.
  • Bio-Fisch ist immer eine gute Alternative!
  • Fragen Sie nach, wenn Sie Fisch kaufen bzw im Restaurant konsumieren! Anhand der Fangmethoden und der Herkunft des Fisches kann man Schlüsse ziehen, ob der Fisch nachhaltig gefangen wurde.

Vorsicht! Immer wieder tauchen Irrglauben auf, was den nachhaltigen Fischfang betrifft.

  • Sind Zuchtfische/Süßwasserfische nicht besser?
  • Süßwasserfische aus Seen/Flüssen sind mit Sicherheit eine gute Alternative. Anders Zuchtfische: Für Züchtungen von Raubfischen (egal ob Süß- oder Salzwasser) werden Unmengen an Fischmehl verbraucht und dafür werden unzählige Sardellen gefangen!
  • Auf meiner Thunfischdose steht "delfinfreundlich gefangen" Ist da was dran?
  • Solange das nicht offiziell zertifiziert ist, kann das reine Augenauswischerei sein. In den Ringwaden der Thunfischfischerei verfangen sich Delfine und viele andere Arten wie Schildkröten, Haie und Vögel. Es gibt zwar Netze, die oben eine Einkerbung haben, damit weiter oben schwimmende Delfine entkommen können, aber das ist nur in Ausnahmefällen der Fall, kontrolliert wird kaum. Außerdem ist Thunfisch im WWF-Führer auf der roten Liste und mitunter stark von Quecksilber belastet. Der Kauf sollte also vermieden werden es sei denn, der Fisch stammt aus Küstenfischerei.
  • Sind Fische aus MSC-zertifizierten Fischereien automatisch eine gute Wahl?
  • 1 Mehrere Umweltschutzorganisationen (darunter auch Greenpeace) kritisieren das Siegel aufgrund der Tatsache, dass auch Fischereien zertifiziert werden, die auf zerstörerische Fangmethoden (z.B. auf Grundschleppnetze oder Langleinen) zurückgreifen und bedrohte Arten befischen.

    Als Beispiel dafür kann der Schwarze Seehecht (engl.: Chilean Seabass / Patagonian Toothfish) angeführt werden: Die kalifornische Organisation "Seafood Watch" empfiehlt in ihrem umfangreichen Fischführer, den Schwarzen Seehecht nicht zu konsumieren. Der ohnehin durch illegale Fischerei stark dezimierte Tiefseefisch wird mit Langleinen gefangen, die viel Beifang verursachen. Die Schnüre können über 100 Kilometer lang und mit 30.000 Haken bestückt sein. Dennoch sind einige Seehecht-Fischereien MSC-zertifiziert.

    Der Marine Stewardship Council (MSC) ist mittlerweile eine unabhängige Organisation, die 1997 vom WWF in Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet worden ist.

Beifang, Fangmethoden etc.

Wer 100g Shrimps isst, tötet 1kg anderer Meeresbewohner? Ja, es ist tatsächlich so: Auf jedes Kilo Shrimps werden 10 Kilo Beifang getötet. Andere Quellen sprechen von 11, ja sogar von 15kg ungewolltem Fang pro Kilo. Aber wie kommt diese gigantische Zahl zustande?
Beachten wir dafür die Fangmethoden, denn der Fang von Shrimps ist besonders grausam. Grundschleppnetze, mit denen die allseits beliebten Krebschen gefangen werden, reichen - wie der Name schon sagt - bis auf den Meeresgrund. Am Netz unten sind Kufen befestigt, die den Meeresboden, wenn das Schiff fährt, regelrecht durchpflügen. Die nachtaktiven Tiere werden aus ihren Behausungen im Meeresboden gerissen. Im nächsten Moment sind sie vom Netz eingefagen. So kommt auch der hohe Beifang zustande, da während der "Todesfahrt" des Schiffes bzw des Netzes alles eingefangen wird. Die Folge: Der Boden bleibt für immer unfruchtbar und die Spuren der Verwüstung werden auch nach langer Zeit noch nicht verloschen sein...
Wie schon erwähnt, ist der Delfin ein häufiger Begleiter der Thunfische. Kein Wunder also, dass die Säuger nicht selten als Beifang im Netz ertrinken. Auch die nur etwa ein Meter langen Schweinswale sterben immer wieder als Beifang. Der Preis der intensiven, industriellen Fischerei.

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Beispiel Thunfisch

Ich möchte Ihnen nun am Beispiel des beliebten, aber leider auch bedrohten Thunfisch erklären, welche Folgen die industrielle Fischerei für die Fauna des Meeres hat. Greenpeace veröffentlichte dazu am 24.5.2006 einen Bericht ("Gestopfter Thunfisch aus dem Mittelmeer"). Den Originalbericht finden Sie hier Ich habe für Sie das Wichtigste zusammengefasst: Der Blauflossenthunfisch kann eine Länge von bis zu zwei Metern und ein Gewicht von 700 kg erreichen. Er ist wie zum Beispiel auch der Aal ein Wanderfisch. Aufgrund seiner Schnelligkeit kann er die Strecke Europa - Amerika in wenigen Wochen schaffen, jährlich legt er mehrere tausend Seemeilen zurück. Doch genug vom Allgemeinen:
Der Blauflossenthunfisch gehört zu den bei Fischern im Mittelmeer beliebtesten Fischen. Das hat die logische Folge, dass die Bestände drastisch zurück gehen. Das hat folgende Gründe:

  1. Für die Thunfische spielt das Mittelmeer eine bedeutende Rolle. In den spanischen Balearen, zu denen auch die beliebten Urlaubsinseln Mallorca und Ibiza gehören, befindet sich ein wichtiges Laichgebiet. Dadurch dass mit dem Eintreffen der Tiere leider auch die industriellen Trawler nicht weit sind, haben viele Exemplare gar nicht die Möglichkeit zu laichen. Viele Exemplare ist noch milde ausgedrückt. Ganze Schwärme werden eingekreist und mit Ringwaden umzingelt. Gibt es keine Laichmöglichkeit, so gibt es auch keinen Nachwuchs.
  2. Viele Thunfische haben ihre Geschlechtsreife, die bei fünf bis acht Jahren liegt, noch gar nicht erreicht, wenn sie gefangen werden. Sie hatten damit noch keine Möglichkeit, sich fortzupflanzen
  3. Auch die Aquakulturen sind ein großes Problem. Jungfische werden gefangen, gemästet mit Fischmehl, das man zum Beispiel aus Sardellen gewinnt. Des Weiteren verschmutzen die Hinterlassenschaften der Aquakulturen wie Kot und Futterreste das Meer erheblich.
  4. Der tatsächliche Bestand wird von der Organisation ICCAT (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas) nicht genau aufgezeichnet. Bei der letzten Bestandsschätzung 2002 wurde die Datenlage als sehr vage, unzuverlässig und daher unbrauchbar angesehen. Auch wenn die Wissenschaftler bereits damals davor warnten, dass die Jagd auf die letzten Thunfische nicht nachhaltig sein kann, die Kommission konnte sich aber auf keinen Aktionsplan einigen. Der Geldhunger der Konzerne ist zu groß, doch möglicherweise wird man in einigen Jahren komplett auf Thunfisch verzichten müssen.

32.000 Tonnen - das ist die Quote für den östlichen Bestand des Blauflossenthunfischs. Das Mittelmeer wird zu dieser Quote dazu gerechnet. Dennoch: Die Quote ist laut Greenpeace um 20 Prozent zu hoch. Nur mit einer drastischen Senkung der Quote und mit der Errichtung von weitflächigen Schutzzonen, die global vernetzt sind, könne man den Bestand auch für künftige Generationen sichern. So müsse auch die Zone rund um die Balearen geschützt werden, um den Thunfischen zumindest ihre Laichplätze zu lassen. Offenbar zu viel verlangt.

Greenpeace fordert daher:

  • Unabhängige Beobachter an Board der Thunfsichfänger, die den Fang dokumentieren und an Behörden weitergeben.
  • Die Beobachter müssen sicherstellen, dass kein untermaßiger Thunfisch gefangen wird.
  • Keine Ausweitung der Thunfischfarmen bis sich die Bestände erholt haben und die Fischerei verantwortungsvoll kontrolliert wird.

Denn erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet Ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Indianersprichwort

Piratenfischerei

Als Piratenfischerei bezeichnet man illegalen Fischfang, also Wilderei auf hoher See. Piratenfischer holen keine Lizenz ein, halten sich demnach nicht an Quoten und beuten die Meere quasi nach Belieben aus. Um Kontrollen zu umgehen, sind die Trawler meist in abgelegenen Gebieten unterwegs, oder in Gewässern von Ländern, denen es an finanziellen Mitteln für die effektive Kontrolle von Fischern fehlt (z. B. in Westafrika). Vor allem in den ärmeren Gegenden führt Piratenfischerei auch zu sozialen Problemen: In Entwicklungsländern leben besonders viele Menschen vom Fischfang. Industrielle Flotten überfischen die Bestände allerdings so stark, dass für die lokalen Fischer kaum mehr etwas übrig bleibt. Die Erträge sinken also, die wirtschaftliche Lage der armen Bevölkerung verschlechtert sich weiter und die großen Konzerne aus den USA, der EU und Asien reiben sich die Hände. Es wird geschätzt, dass die illegalen Fänge weltweit bis zu 30% der gesamten Fangmenge ausmachen (Quelle: Youtube - Fischfang Raubbau Faszination Wissen 1/3 15.11.2009 (Minute 7:47)).

Folgen für das Ökosystem

Unselektiver Fischfang wirkt sich nicht nur auf die unmittelbar betroffenen Arten aus, sondern hat einen großen Einfluss auf das gesamte marine Ökosystem. So bewirkt Überfischung beispielsweise die Zerstörung von Korallenriffen. Ein weiteres Beispiel ist die Entstehung von Totzonen (hypoxische Zonen): In manchen Meeresgebieten ist die Sauerstoffkonzentration so gering, dass Leben dort kaum mehr möglich ist. Eine Ursache dafür ist der intensive Fang kleiner Schwarmfische (z.B. Sardinen), die eigentlich überschüssige Algen aus dem Meer filtern sollten. Wenn diese Konsumenten fehlen, sinken die Algen auf den Meeresgrund und setzen dort Schwefelwasserstoff frei und führen dadurch zu einer geringeren Sauerstoffkonzentration. (Quelle: Taras Grescoe: "Der letzte Fisch im Netz", S. 249, 2008)

Beispiel: Garnelenzucht in Süd- und Südost-Asien

Garnelen (Scampi, Shrimps...) erfreuen sich bei uns immer größerer Beliebtheit und werden z.B. in Fastfoodketten zu Schleuderpreisen angeboten. Tatsächlich sind diese Krebstiere industriell produzierte Massenware, die zum Großteil aus Entwicklungs- und Schwellenländern in Süd- und Südost-Asien stammt (v.a. aus China, Indien, Vietnam, Thailand und Sri Lanka).

Diese riesigen Aquakulturen haben verheerende Auswirkungen, nicht nur auf die Ökosysteme, sondern auch auf das Leben der Bevölkerung. Zunächst werden für die Errichtung der Farmen Mangrovenwälder abgeholzt. Diese tropischen Bäume sind aber einzigartige Lebensräume für zahlreiche Arten und beschützen Küsten darüber hinaus vor Flutwellen und Stürmen. So waren die Auswirkungen des Tsunamis 2004, der weite Teile Indiens und Sri Lankas in Schutt und Asche gelegt hat, geringer, wo Mangroven die Küstenabschnitte beschützten. Des Weiteren wird für die Fütterung der Garnelen Fischmehl benötigt, also Fischpulver, für das industrielle Trawler die Meere durchkämmen. Man braucht rund 2kg Fischmehl, um ein Kilo Garnelen produzieren zu können. Damit ist auch das Argument der Farmer-Lobby entkräftet, wonach intensive Aquakultur notwendig sei, um die Welternährung zu sichern. Diese Behauptung ist schon allein deswegen völliger Unsinn, weil die Garnelen in die reichen Länder Europas und Nordamerikas exportiert werden.

In Wirklichkeit verlieren die Bauern und Kleinfischer der Küsten ihre Lebensgrundlage, weil die verwendeten Chemikalien der Fischfarmen Böden, Flüsse und das Grundwasser vergiftet. Verwendet werden neben Antibiotika noch Pestizide und Piscizide (Fischgifte, mit deren Hilfe man invasive Arten in den Zuchtbecken abtötet). Diese Schadstoffe und Abwässer werden ungeklärt in die Flüsse geleitet und vergiften in weiterer Folge Grundwasser, Böden und auch Meeresabschnitte, wo z.B. Mangroven leben. Wegen der in vielen Ländern noch allgegenwärtigen Korruption ist es den Farmen weiterhin möglich, die Existenz der Kleinfischer und Bauern zu bedrohen, ohne mit den Behörden in Konflikt zu geraten.

Für Verbraucher ist es durchaus erkennbar, ob bei der Produktion Chemikalien verwendet wurden, z.B. wenn die Ware unnatürlich riecht, schmeckt, oder eine seltsame, unnatürliche Färbung aufweist. Man muss sich außerdem bewusst sein, dass es bisher kaum Alternativen gibt. Bio-Zuchtanlagen sind leider die große Ausnahme.

Lachszucht - ein Verbrechen an der Umwelt

Nicht viel besser sieht es übrigens mit Lachszucht aus. Besonders problematisch sind die Lachsfarmen in Chile. Weite Teile der Westküste Patagoniens sind unter Schutz gestellt. Das gilt allerdings nicht für die angrenzenden Meeresfläche. Dennoch haben die Farmen, die z.T. am Rande von Schutzgebieten errichtet worden sind, einen erheblichen Einfluss auf die Umgebung. Pestizide und Antibiotika gelangen in die Umwelt, der Kot der Fische verseucht den Boden und macht Leben dort unmöglich und Parasiten und Viren breiten sich trotz der umweltschädlichen Gegenmaßnahmen rasend schnell aus, wenn es zu einem Ausbruch kommt. Dazu kommen ungeklärte Abwässer, Futterüberschüsse und anderer Abfall. All das bahnt sich dann einen Weg in die Ökosysteme und richtet dort unermesslichen Schaden an. In weiterer Folge wird der Druck auf bedrohte Arten erhöht. Ähnliche Probleme bestehen auch in vielen weiteren Staaten, in denen intensive Fischzucht betrieben wird (z.B. in Kanada oder siehe Beispiel Garnelenzucht in Asien), doch in Chile ist die Lage besonders problematisch, da das Land 1. kaum Kontrollen durchführt und 2. der wohl größte Exporteur von Zuchtlachs ist (vor Norwegen). In Norwegen hat man jedoch strengere Umweltgesetze durchgesetzt, weswegen Zuchtlachs aus Norwegen etwas teurer, jedoch auch weniger problematisch ist. In seinem Buch "Der letzte Fisch im Netz" beschreibt Taras Grescoe anschaulich die Lage in den und um die Lachsfarmen und vergleicht die Situation in Kanada, Norwegen und Chile. Er nennt auch zahlreiche Zahlen, um zu verdeutlichen, welch beängstigendes Ausmaß die industrielle Aquakultur erreicht hat. Ich verzichte bewusst auf diese genauen Angaben, da es mir persönlich vorrangig darum geht, dass SIe den Bezug von Ihrem Konsumverhalten zu sozialen Spannungen und Umweltproblemen verstehen!

Über die Praktiken von "Marine Harvest", dem größten Global Player in der Lachsproduktion, informiert der Film "Lachsfieber" von Wilfried Huismann und Arno Schumann. Sie können sich den Film hier ansehen: youtube - Lachsfieber (Playlist)

Doch die Lachszucht ist nicht nur aus Sicht der Umwelt problematisch. So erhöhte die EU den Grenzwert für das Gift Endosulfan, eines der giftigsten Insektizide auf dem Markt, um das Zehnfache, von 0,005 auf 0,05mg pro Kilo (Quelle: Bianca Blei: EU erhöht Grenzwert: Zuchtlachs darf mehr Gift enthalten. In: derstandard.at, 25.6.2013, zuletzt zugegriffen am 14.7.2013). Endosulfan ist ein Nervengift, das Entwicklungsstörungen bei Menschen und Tieren verursachen und deren Entwicklung beeinträchtigen kann. Die Verwendung von Endosulfan ist in der EU übrigens verboten. Da das Fischfutter jedoch in anderen Teilen der Erde, vor allem in Lateinamerika, produziert wird, gelangt das Gift auch auf unsere Teller. Hauptprofiteur der neuen Regelung ist Nicht-EU-Mitglied Norwegen, der Hauptexporteur von Zuchtlachs in Europa.

Beispiel: Viktoriabarsch (Nilbarsch)

Der Nilbarsch wurde in den 1960er-Jahren im Viktoriasee, dem zweitgrößten See der Erde, ausgesetzt. Seitdem verändert er das Leben in und rund um den See dramatisch: Die neue Fischart konnte sich rasend schnell vermehren und da es sich beim Viktoriabarsch um einen Raubfisch handelt, verdrängte er die meisten ursprünglich heimischen Arten aus dem See. Dadurch wurde das sensible ökologische Gleichgewicht zuerstört: Wie durch den Film "Darwins Alptraum" von Hubert Sauper bekannt wurde, verschwanden seit dem wissenschaftlichen Experiment, mit dem die Katastrophe begann, 210 Arten von Cichliden (Buntbarschen). Cichliden sind für das Ökosystem jedoch von großer Bedeutung, da sie Algen fressen und somit verhindern, dass der Sauerstoffgehalt sinkt. Angesichts der dramatischen Entwicklung im Viktoriasee muss man jedoch damit rechnen, dass die Fischerei früher oder später zusammenbricht und der See bald endgültig zu einer Totzone wird.

Doch die Einführung des Nilbarsches führte nicht nur zu ökologischen, sondern auch zu sozialen Problemen. Der Fisch wird fast ausschließlich nach Europa, Amerika und Japan exportiert. Für die Einheimischen bleibt von ihrem Ertrag nichts übrig, obwohl Hungersnöte in Ostafrika häufig sind. Weil die Fischer für Hungerlöhne arbeiten müssen, sehen sich viele Frauen gezwungen, sich zu prostituieren und werden nicht selten Opfer von Gewaltverbrechen. Es profitieren wie so oft nur die großen Konzerne und dennoch wird die Fischerei am Viktoriasee von EU und Weltbank unterstützt. Der Film "Darwins Alptraum" (Original: "Darwin's Nightmare") erhebt sogar den Vorwurf, dass die Frachtflugzeuge, die mit Fisch beladen wieder in den Norden fliegen, mit Waffen an Board ankommen. Der Flughafen von Mwanza, einem Fischerort in Tansania, soll aufgrund der mangelnden Sicherheitsvorkehrungen Drehscheibe für den Waffenhandel sein.

Fazit: Industrielle Fischerei und ihre Auswirkungen

Die angeführten Beispiele (Garnelenzucht in Indien, Lachszucht in Chile, Fischerei am Viktoriasee) sollen zeigen, wie unsere Gier nach Fisch mitverantwortlich für soziale und ökologische Katastrophen ist. Dieser Entwicklung kann nur Einhalt geboten werden, wenn Fisch von unserer Gesellschaft als wertvolle Ressource anerkannt anstatt als billiges Massenprodukt gesehen wird. In jedem Fall muss der Fischkonsum verringert und nachhaltige Fischereien gefördert werden, um Arterhaltung zu gewährleisten.

Hinweis: Weitere Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil finden Sie im Ratgeber

In der Galerie - Rotes Meer finden Sie Bilder aus einem geschützten Meeresabschnitt. Hier bleibt die Natur sich selbst überlassen!

Seite zuletzt bearbeitet am: 18.11.2013 02:30:17


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