Sprache wählen / choose language: Deutsch English
Suchen nach:  
   Sagen Sie mir Ihre Meinung: Jetzt Seiten bewerten und kommentieren!

[Gentechnik] | [Lobbying] | [PCB] | [March Against Monsanto] | [Widersprüche]

Monsanto

Monsanto ist ein multinationaler Biotech-Konzern mit Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. 2012 machte das Unternehmen durch den Vertrieb genetisch modifizierten Saatguts und Herbiziden einen Umsatz von 13,5 Mrd. US-Dollar. Das bekannteste Produkt des Konzerns ist eine Serie von Herbiziden mit dem Markennamen Roundup. Roundup wird in über 130 Ländern verkauft und kommt dort sowohl in der Landwirtschaft als auch in privaten Gärten zur Anwendung. Weiters war Monsanto neben Dow Chemical, dem zweitgrößten Chemiekonzern der Welt nach BASF, Hersteller von Agent Orange, jenem Herbizid, das die US-Truppen während des Vietnamkrieges großflächig versprühten, sodass Bäume rasch ihre Blätter verloren und feindlichen Truppen die Tarnung in den Wäldern erschwert wurde. Noch heute leiden Schätzungen zufolge rund eine Million Menschen an den Spätfolgen des Mittels, zu denen u.a. Krebs, Immunschwächen und Fehlbildungen zählen.

Gentechnik, Nahrungsmittelsicherheit und Konsumentenschutz

Die Sicherheit unserer Nahrungsmittel sollte in unser aller Interesse liegen. Doch wer überwacht diese? In den USA sollte diese Aufgabe die FDA, die Food and Drug Administration, übernehmen. Sie untersteht dem Gesundheitsministerium und sollte für die öffentliche Gesundheit des Landes Sorge tragen, indem sie gesundheitsgefährdende Arznei- und Nahrungsmittel aus dem Verkehr zieht, bevor sie auf den Markt kommen. Wird den Produzenten damit jegliche Verantwortung abgenommen? Philip Angell, ehemals "Director of Corporate Communications" bei Monsanto, sagte: "Monsanto should not have to vouchsafe the safety of biotech food. Our interest is in selling as much of it as possible. Assuring its safety is the F.D.A.'s job" (Michael Pollan: Playing God in the Garden In: The New York Times, 25.10.1998, zuletzt zugegriffen am 9.7.2013). Interessanterweise scheint die FDA eine etwas andere Sichtweise auf diese Streitfrage zu haben, zumindest laut des folgenden Statements of Policy (zuletzt zugegriffen am 9.7.2013). In diesem heißt es unter anderem: "Ultimately, it is the food producer who is responsible for assuring safety". Wenn sich also niemand wirklich verantwortlich fühlt, ist es dann schlussendlich gar der Konsument selbst, der für sich selbst die Entscheidungen trifft und damit auch die Letztverantwortung trägt? In diesem Fall muss der Konsument allerdings auch über die notwendigen Informationen verfügen, die ihm erlauben würden, die Konsequenzen seines Konsumverhaltens abzuschätzen.

In der EU müssen gentechnisch veränderte Organismen in Nahrungsmitteln entsprechend gekennzeichnet werden. Dies gilt allerdings nicht für Fleisch von Tieren, die mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden. Im Gesetzestext heißt es dazu: "The determining criterion is whether or not material derived from the genetically modified source material is present in the food or in the feed. Processing aids which are only used during the food or feed production process are not covered by the definition of food or feed and, therefore, are not included in the scope of this Regulation. Nor are food and feed which are manufactured with the help of a genetically modified processing aid included in the scope of this Regulation [...]" (siehe dazu: EU-Verordnung (EC) No 1829/2003 (16), zuletzt zugegriffen am 10.7.2013). Leider weigert sich die Agrarmarkt Austria, gentechnikfreie Fütterung als Kriterium für den Erhalt des AMA-Gütesiegels festzulegen.

Ganz anders ist die Lage in den USA. Dort gibt es noch keine entsprechende Kennzeichnungspflicht - trotz zahlreicher Proteste und trotz der Tatsache, dass sich die Mehrheit der US-Amerikaner dafür ausspricht (siehe dazu: HuffingtonPost - GMO Poll Finds Huge Majority Say Foods Should Be Labeled, zuletzt zugegriffen am 10.7.2013). Wenig überraschend ist, dass sich auch Monsanto gegen ein solches Gesetz ausspricht. Der Konzern befürchtet, dass eine Kennzeichnung von aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellten Lebensmitteln eine minderwertige Qualität im Vergleich zu konventionellen oder biologischen Produkten implizieren könne (siehe dazu: Monsanto - Labeling Food and Ingredients Developed from GM Seed, zuletzt zugegriffen am 10.7.2013). Gleichzeitig aber scheint das Unternehmen stolz auf seine Produkte zu sein, setzen sie sich selbst doch folgendes sicherlich nicht unbescheidenes Ziel: "We’re focused on delivering innovative products that can have a positive effect on the quality of life for all farmers, their families and the rural communities in which they live. It can also have a positive effect on consumers and society overall." (Monsanto - Improving Lives Through Sustainable Agriculture, zuletzt zugegriffen am 10.7.2013)

Lobbying

Lobbying ist ein wichtiger Bestandteil der Erfolgsstrategie des Biotech-Riesen. So gab Monsanto 2011 über 6,3 Million US-Dollar für Lobbying aus, 2012 waren es immerhin noch knapp 6 Millionen (OpenSecrets.org - Monsanto Co., zuletzt zugegriffen am 13.7.2013). Mindestens genauso wichtig wie finanzielle Mittel sind personelle Mittel. Michael Taylor, ehemals Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit bei Monsanto, ist nun "deputy commissioner for foods" bei der FDA, jener Behörde der US-Regierung, die für die Sicherheit von Lebens- und Arzneimitteln verantwortlich ist. Zu Taylors Aufgabenbereichen zählen die Entwicklung von Plänen zur Lebensmittelsicherheit und die Sicherstellung, dass Etiketten auf Lebensmitteln klare und korrekte Angaben enthalten (FDA - Michael R. Taylor, zuletzt zugegriffen am 13.7.2013).

In Europa scheint Monsanto allerdings weitgehend auf taube Ohren zu stoßen. "Wir machen keine Lobbyarbeit mehr für den Anbau in Europa", sagte Brandon Mitchener, Sprecher von Monsanto Europa, gegenüber der Tageszeitung taz. Grund hierfür seien die geringe Nachfrage und mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung (Quelle: Jost Maurin: Sieg für Anti-Gentech-Bewegung - Monsanto gibt Europa auf. In: taz.de, 31.5.2013, zuletzt zugegriffen am 13.7.2013). Was sich zunächst wie ein beachtlicher Erfolg für Gentechnik-Gegner anhört, ist in Wirklichkeit aber, wenn überhaupt, nur ein Etappensieg. Der entscheidende Punkt ist, dass wir in einer globalisierten Welt leben, in der politische Entscheidungen bezüglich Klimawandel, Artenschutz..., aber eben auch Nahrung nur dann grundlegende Veränderungen bewirken können, wenn sie auf globaler Ebene getroffen werden können. Wenn sich die Europäische Union also auf die konventionelle Landwirtschaft besinnt, ist noch wenig gewonnen, solange genmanipulierte Produkte aus Übersee importiert werden dürfen und der Einsatz in der Viehzucht nicht nur üblich, sondern sogar die Regel ist.

PCB

Arcolor, eine Produktserie aus Gemischen sogenannter polychlorierter Biphenyle (PCB), wurde von Monsanto bis zum Jahr 1977 verkauft. Heute sind BCP aufgrund ihrer Toxizität weltweit verboten (siehe dazu auch Stockholm Convention On Persistent Organic Pollutants, S. 21, zuletzt zugegriffen am 9.7.2013), doch noch immer sind sie in der Umwelt und daher auch in der Nahrungskette nachweisbar. Anniston, eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Alabama, wurde durch Monsantos jahrzehntelange PCB-Produktion so stark verseucht, dass eine Sammelklage von Bewohnern den Konzern dazu zwang, insgesamt rund 700 Millionen US-Dollar zu zahlen, um die Betroffenen zu entschädigen und die Entseuchung der Region zu finanzieren. Ein Teil der Summe wurde von Versicherungen abgedeckt. Bis heute muss Erde abgetragen und nach und nach durch unverseuchte ersetzt werden, Innenräume müssen auf die PCB-Konzentration untersucht werden, noch immer wird empfohlen, keinen Fisch aus den Gewässern der Region zu konsumieren. Dabei ist die PCB-Produktion seit den frühen 70er-Jahren eingestellt. Siehe dazu auch: EPA - Anniston PCB Site (zuletzt zugegriffen am 9.7.2013)

March Against Monsanto 25.5.2013

Am 25.5.2013 fanden weltweit Proteste gegen Monsanto statt, im deutschsprachigen Raum unter anderem in Wien, Düsseldorf, Berlin, München, Frankfurt und Zürich. Diese richteten sich in erster Linie gegen Monsanto selbst, teilweise aber auch generell gegen die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen. Laut Veranstalter beteiligten sich insgesamt in etwa 2 Millionen Menschen an den Märschen, in den Medien war immerhin von "mehreren 100.000" die Rede (siehe dazu: Wikipedia - March Against Monsanto, zuletzt zugegriffen am 14.8.2013). Für den 12. Oktober 2013 sind weitere Märsche geplant. Sobald hierzu nähere Informationen verfügbar sind, werden Sie auf animalright.org davon in Kenntnis gesetzt. Falls Sie auf Facebook registriert sind, ist die Seite March Against Monsanto zu empfehlen.

Widersprüche - Nachhaltigkeit und Schaffung von Arbeitsplätzen

Monsanto wird nicht müde zu betonen, dass dem Unternehmen Nachhaltigkeit am Herzen liege. Da ein Bild bekanntlich mehr sagt als tausend Worte hier ein Screenshot eines Kommentars auf Monsantos Facebook-Seite und die Antwort des Unternehmens darauf:

Facebook-Kommentar

Monsanto scheint also durchaus Gefallen an dem Gedanken zu finden, dass die Umwelt nur einem einzigen Ziel diene: von der Menschheit ausgebeutet zu werden. Wie dies mit Monsantos vorgeblicher Hingabe zur Nachhaltigkeit vereinbar ist, steht in den Sternen. Es ist jedenfalls an der Zeit, zu verstehen, dass wir Menschen Teil der Umwelt sind und nicht ihr Beherrscher. Nachhaltigkeit, so schwammig und abgedroschen der Begriff an sich auch sein mag, bedeutet, die Umwelt so zu erhalten, dass auch künftige Generationen in und von ihr leben können. Um Nachhaltigkeit gewährleisten zu können, müssen wir uns der Tatsache bewusst sein, dass wir von unserer Umwelt abhängig sind, nicht umgekehrt.

Eine ebenfalls widersprüchliche Haltung hat Monsanto zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Zwar rühmt sich das Unternehmen damit, von vielen Seiten zu den besten Arbeitgebern gezählt zu werden (siehe dazu Monsanto - Awards and Recognition), gleichzeitig macht Monsanto aber auch keinen Hehl daraus, dass es Landwirten ermöglichen möchte, Arbeitskräfte einzusparen, lautet doch eines der Ziele des Unternehmens "produce more with less". Nun mag es zwar stimmen, dass Monsanto seinen Angestellten (von denen in etwa die Hälfte in den Vereinigten Staaten ansässig ist) verlockende Karrierechancen bietet, doch gleichzeitig gehen dank Monsantos Engagement Arbeitsplätze im primären Sektor verloren. Anlässlich der Proteste gegen Monsanto am 25.5.2013 (siehe oben) bezeichnete Hugh Grant, CEO von Monsanto, die Aktion als "elitär" (Quelle: Jack Kaskey - Monsanto Sees ‘Elitism’ in Social Media-Fanned Opposition. In: bloomberg.com, 16.5.2013, zuletzt zugegriffen am 14.8.2013). Währenddessen versucht sein Unternehmen, Arbeitsplätze im primären Sektor in die Chemieindustrie zu verlagern, die Arbeit vieler in die Hände einer kleinen "Elite" zu legen.

Seite zuletzt bearbeitet am: 14.08.2013 15:32:01


Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Name (max 25 Zeichen):

Kommentar (max 1000 Zeichen):


7 + 1 = (ausgeschrieben deutsch/englisch):
War diese Seite hilfreich?   Ja   Ein wenig   Nein


Diese Seite wurde bewertet als:

sehr hilfreich: (1)
etwas hilfreich: (0)
nicht hilfreich: (0)


Werbung:

Werbung

live-mails 1

karibik-mails 1