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WWF - echter Umweltschutz oder Greenwashing?

Der WWF ist wohl die größte Umweltschutzorganisation der Welt. Mit einem Umsatz von 525 Mio. Euro im Jahr 2010 (Quelle: WWF Jahresbericht 2010) hat sie großes Potenzial, um Projekte verschiedenster Art durchzuführen. Ob die Spendengelder aber auch tatsächlich dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden, ist fraglich. Der folgende Artikel soll einen genaueren Überblick über diese Thematik geben.

Die Hintergründe

Spätestens nach der Ausstrahlung der Dokumentation "Der Pakt mit dem Panda" (Regie: Wilfried Huismann) am 22. Juni 2011 in der ARD geriet die Organisation international in die Kritik. Vorgeworfen wird dem WWF unter anderem Greenwashing, Korruption und verantwortungsloser Umgang mit Spendengeldern. Der WWF reagierte prompt mit einem ausführlichen Faktencheck, welcher jedes Statement aus dem Film relativieren soll. Offensichtlich aber war der Sturm der Entrüstung nicht mehr aufzuhalten: Wochenlang wurden die Facebook-Seiten des WWF mit Links zur Doku bombardiert, Stellungnahmen auf youtube wurden mit bösen Kommentaren abgestraft, die Telefone liefen heiß. Noch immer wird gerne auf jenen Film verwiesen, wenn der WWF über vermeintliche Erfolge berichtet. Welche Seite aber am richtigsten - oder besser gesagt am wenigsten falsch - argumentiert, bleibt offen, denn viele Statements können von Außenstehenden gar nicht überprüft werden.

Ich möchte mich als Ersteller der Petition For real environmental care: Reform the WWF! demnach nicht auf einzelne Zahlen fixieren, sondern die Strukturen dahinter aus einer neutralen Sicht näher beleuchten.

Zunächst aber muss mit einem Missverständnis aufgeräumt werden: Tierschutz und Artenschutz verfolgen unterschiedliche Ziele. Während Tierschutz die Tiere als Individuuen schützen möchte, steht für Artenschützer der Erhalt der Spezies im Zentrum. Auch wenn die beiden Themen sicherlich miteinander verwandt sind, kann der WWF beispielsweise nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass der Fleischkonsum noch immer stetig wächst oder dass im nächsten Wald eine Treibjagd stattfindet.

Personalfragen

Wenn aber Jagden auf Tiere gefährdeter Arten stattfinden, sollte sich der WWF sehr wohl einschalten. So geschehen Mitte April 2012: Juan Carlos, König von Spanien und WWF-Ehrenpräsident, brach sich in Botswana auf Elefanten-Jagd die Hüfte. Nicht genug, dass Elefanten höchstintelligente und vielerorts gefährdete Säuger sind, ein Abschuss eines Exemplar kostet mind. 20,000 Dollar, während die Arbeitslosigkeit in Spanien so hoch ist wie noch nie und das Land wie kaum ein anderes von der Rezession betroffen ist. Diese Geldverschwendung hat großen Unmut ausgelöst, nicht nur unter umweltbewussten Menschen, sondern sogar bei einigen nationalen WWF-Büros. Auf der Facebook-Seite "WWF Austria" wurde wörtlich angekündigt: "Wir haben es jetzt satt: Der Generalsekretär des WWF Spanien, Juan Carlos del Olmo, hat heute den spanischen König Juan Carlos in einem offenen Brief dazu aufgerufen, von seiner Funktion als Ehrenpräsident des WWF Spanien zurückzutreten. [...]", eine löbliche Initiative.

Das wirft jedoch die Frage auf, warum der WWF überhaupt jemandem, der die Prinzipien der Organisation offensichtlich missachtet, eine solche Position anbietet. Juan Carlos ist jedoch nicht der einzige Fall, wegen dem man sich diese Frage stellen kann. In "Der Pakt mit dem Panda" wurde Dr. Hector Laurence vom WWF Argentinien zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln befragt. Dieser sagte dazu: "Ich glaube, Gentechnik und Artenvielfalt lassen sich perfekt miteinander vereinbaren". Prinz Philip, ebenfalls WWF-Ehrenpräsident, meint in Bezug auf Trophäenjagd: "Indem man die Raubtiere dezimiert schützt man andere Tiere". Wir haben also drei Beispiele für Leute, die im WWF wichtige Ämter innehaben und offensichtlich ihre eigenen Süppchen kochen. Zwar ist es normal, dass in einer weltweit aktiven Organisation Meinungen verschiedener Personen leicht voneinander abweichen, doch man sollte sich zumindest auf einen gemeinsamen Kurs in Bezug auf fundamentale Themen wie Trophäenjagd oder gentechnisch veränderten Lebensmitteln einigen können.

Mittlerweile musste Juan Carlos sein Amt zwar niederlegen (siehe dazu auch: wwf.at - Juan Carlos nicht mehr Ehrenpräsident von WWF Spanien), doch die weniger bekannten Beispiele haben offensichtlich nicht mit Gegenwind zu rechnen. Um den WWF auch diesbezüglich zum Nachdenken bewegen zu können, bedarf es weiterhin kritischer Stimmen. Daher bitte ich Sie, sich kurz Zeit zu nehmen, um unsere Petition "For real environmental care: Reform the WWF!" zu unterstützen.

Lobbying oder Greenwashing?

Hierfür sind dem WWF die Beziehungen mit Wirtschaftsvertretern aber offensichtlich zu wichtig. Als Lobby für die Natur muss sich der WWF selbstverständlich mit Unternehmen an einen Tisch setzen, um Kompromisse auszuverhandeln, doch die Ergebnisse sind oftmals mehr als fragwürdig. Organisationen wie der MSC (Marine Stewardship Council), der FSC (Forest Stewardship Council), der RSPO (Round Table on Sustainable Palm Oil) und der RTRS (Round Table on Responsible Soy) sind in Zusammenarbeit aus Vertretern der Wirtschaft und NGOs entstanden und werden auch heute noch zum Teil von einem Rat bestehend aus diesen Parteien geführt. Diese Struktur mag demokratisch scheinen, bringt jedoch auch Probleme mit sich: Dem entsprechenden Wikipedia-Artikel zufolge werden beim RSPO beispielsweise nur knapp 7% der Vollmitglieder von Umweltschutzorganisationen und sozialen Verbänden gestellt. Andere Kritikpunkte betreffen zu lasche Richtlinen. So unterstützt Greenpeace den MSC zum Beispiel nicht mehr, weil das Siegel auch für Fisch aus überfischten Gegenden vergeben wird. Erfahren Sie mehr zum Thema Fischerei.

Tourismus als Naturschutzmaßnahme?

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der WWF Reisen bewirbt, auf denen man die letzten Tiger der Erde beobachten kann. Solche Fahrten, angeboten vom Reisebüro und WWF-Partner "Natural Habitat" (www.nathab.com), fallen für die Anbieter unter die Kategore "Ökotourismus" und sollen demnach so geringe Auswirkungen wie möglich auf die Flora und Fauna der Parks haben. In der Doku "Der Pakt mit dem Panda" ist jedoch zu sehen, dass in den Schutzgebieten ganze Jeep-Konvois die Wälder auf der Jagd nach den Raubkatzen durchfahren. Es wird also eher intensiver als nachhaltiger Tourismus betrieben. Fremdenverkehr ist für den Schutz eines Gebietes mit Sicherheit von Bedeutung: Auch in vielen Ländern Afrikas würde man gewiss weniger Wert auf den Erhalt natürlicher Lebensräume legen, wenn in deren Schutz kein wirtschaftlicher Vorteil involviert wäre. Wir sind jedoch der Meinung, dass Wirtschaft beim Schutz einer vom Aussterben bedrohten Art keine zentrale Rolle spielen darf und treten daher dafür ein, dass sich der WWF verstärkt für die Gründung und den Erhalt von Schutzgebieten der IUCN-Kategorie Ia und Ib (Erklärungen zu den verschiedenen Arten von Schutzgebieten finden Sie u.a. im englischsprachigen Essay zum Thema "gefährdete Arten") einsetzt, um die Habitate dadurch vollkommen von menschlichem Einfluss zu schützen, damit die Tiger ein sicheres Rückzugsgebiet bekommen.

Bewachung der Schutzgebiete bietet nicht nur zusätzliche Jobmöglichkeiten für die Bevölkerung der umliegenden Gebiete, sondern verhindert auch, dass Tiere Wilderern zum Opfer fallen. Daher halten wir es für notwendig, Wildhüter mit neuester Technik auszustatten und ihnen die bestmögliche Ausbildung anzubieten, sodass sie ihre Aufgabe gewissenhaft und souverän erfüllen können. Dies ist eines der vielen Beispiele, die zeigen, wie sich soziale und umweltpolitische Aspekte ergänzen.

Was wir fordern...

Die Reformen, die wir vom WWF einfordern, betreffen im Grunde die Punkte Transparenz und Verantwortungsbewusstsein. Wir sind der Meinung, dass auch private Spender das Recht haben zu erfahren, in welche Projekte ihre Gelder fließen, mit welchen Parteien der WWF verhandelt und welche Entscheidungen schlussendlich getroffen werden. Als größte Umweltschutzorganisation der Welt muss sich der WWF ferner seiner Verantwortung der Natur und den Menschen gegenüber bewusst sein und sich verstärkt für die Errichtung strenger Schutzgebiete auf dem Land und im Meer einsetzen, um den dort heimischen Arten ein sicheres Refugium anzubieten. Wir bitten Sie daher, unsere Initiative zu unterstützen, indem Sie unsere Petition "For real environmental care: Reform the WWF!" unterschreiben und nach Möglichkeit auch zu teilen. Wir danken für jede Unterstützung und werden Sie laufend über den weiteren Verlauf der Kampagne informieren!

Seite zuletzt bearbeitet am: 16.08.2013 14:44:42


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07-11-2016 04:26:50 von Carmen

Kommentar: Schaltet Eurer Hirn beim Einkaufen ein und das Thema fragwürdige Praktiken bei Umweltschutzverbänden & Co. hat sich erledigt. Geld ist Macht, und ein bewusster Verbraucher hat die Möglichkeit, sie gezielt damit auszuüben. Der Verzicht auf jegliche Produkte vom Tier ist z.B. einer der Schritte mit den größten positiven Auswirkungen!
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02-06-2012 00:54:50 von Admin

Kommentar: @Andreas: Danke für das Feedback! Es ist in der Tat sehr wichtig, Lösungsvorschläge anzubieten, denn ich persönlich unterstütze die Idee des WWF. Die Natur braucht eine Lobby, um gegen kapitalistische Interessen ankämpfen zu können. Leider funktioniert die Umsetzung nicht. Dies wurde in "Der Pakt mit dem Panda" verdeutlicht und dafür bin ich Wilfried Huismann auch dankbar. Vielleicht sind nicht alle Vorwürfe gerechtfertigt, doch die Grundaussage stimmt sehr wohl: Der WWF hat sich durch seine Annährung an Vertreter der Wirtschaft mittlerweile mehr zu einem dankbaren Partner dieser entwickelt als zu einer starken Opposition. Darüber können auch einzelne Erfolge (die ich nicht leugne) nicht hinwegtrösten.
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01-06-2012 20:24:23 von Andreas Mayr

Kommentar: Danke auch für die gute Zusammenfassung. Fast noch bedenklicher als die drei beschriebenen Persönlichkeiten finde ich ja die Aktivitäten von Jason Clay, dem WWF-Vizepräsidenten für Markttransformation aus den USA. Für ihn ist Gentechnik nicht nur das kleinere Übel, sondern die wichtigste Maßnahme im Kampf für eine Verkleinerung des ökologischen Fußabdrucks. Clay will Gentechnik nicht nur bei Mais und Soja, sondern auch noch bei anderen Nutzpflanzen und sogar in der Viehzucht anwenden. WWF Deutschland und WWF Schweiz distanzieren sich zwar davon und reden von Meinungsvielfalt, aber Clay ist nicht irgendein adminstrativer Leiter, sondern "für die Wald-, Fischerei-, Landwirtschafts- und Aquakultur-Initiativen der Naturschutzorganisation verantwortlich" (DPA). In dem Wikipediaartikel zum Film ist das gut dokumentiert. http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Pakt_mit_dem_Panda Viel Erfolg mit der Petition, ich werde meine Kollegen und Freunde bitten, ebenfalls zu unterzeichnen.
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01-06-2012 20:22:29 von Andreas Mayr

Kommentar: Vielen Dank für diese Initiative! Wie es scheint, müssen wieder mal unabhängige Naturschützer ran, weil sich Naturschutzverbände nicht trauen und die Medien entweder schweigen oder "Huismann gegen WWF" inszenieren. Ich finde es auch gut, dass hier ein konstruktiver Vorschlag gemacht und das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird. Bestimmt wünschen sich auch viele WWF-Mitarbeiter/innen und Spender/innen einen auf die vorgeschlagene Weise erneuerten WWF.
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